Unser Statement zum Buchhandlungspreis
und warum wir auf die Auszeichnung verzichten werden

Der Deutsche Buchhandlungspreis wurde mit einer klaren Idee gegründet: Der Staat stellt die Förderung bereit – über die Auszeichnungen entscheidet eine unabhängige Fachjury aus Vertreterinnen und Vertretern der Buchbranche, aus Buchhandel, Verlagen und Literaturbetrieb. Gerade diese Konstruktion hat den Preis glaubwürdig gemacht.

Der aktuelle Vorgang, bei dem das Bundesministerium für Kultur und Medien in das Votum dieser Jury eingegriffen und Preisträger nachträglich ausgeschlossen hat, stellt diesen Grundgedanken infrage.

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Mir geht es dabei ausdrücklich nicht um einzelne Buchhandlungen oder um politische Bewertungen ihrer Arbeit. Es geht um etwas Grundsätzlicheres: Wenn eine unabhängige Fachjury eingesetzt wird, dann muss ihr Urteil auch gelten. Ein politisches Nachkorrigieren dieses Votums widerspricht der Idee, auf der dieser Preis einmal aufgebaut wurde.

Hinzu kommt: Die Kriterien für diesen Eingriff bleiben unklar. Die betroffenen Buchhandlungen konnten sich offenbar nicht äußern, nachvollziehbare Gründe sind öffentlich nicht benannt worden. Für einen Preis, der kulturelle Vielfalt und offenen Diskurs auszeichnen soll, ist ein solches Verfahren schwer vermittelbar.

Selbst wenn ein Eingriff formal möglich sein mag, entsteht der Eindruck politischer Steuerung. Damit verändert sich die Logik des Preises. Aus einer staatlich finanzierten, aber fachlich unabhängigen Auszeichnung wird ein Preis, dessen Ergebnis am Ende politisch überprüft und korrigiert werden kann.

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Jury und vor den Kolleginnen und Kollegen aus der Branche, die mit Sachverstand und Verantwortung über diese Auszeichnungen entscheiden. Gerade deshalb fühlt es sich für mich nicht richtig an, einen Preis anzunehmen, dessen Ergebnis im Nachhinein politisch verändert wurde. Die Jury hat ihre Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen getroffen. Wenn dieses Urteil übergangen wird, verliert der Preis einen Teil seiner Grundlage.

Aus diesem Grund sehe ich mich derzeit nicht in der Lage, die Auszeichnung anzunehmen. Meine Entscheidung richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Jury oder gegen die vielen engagierten Buchhandlungen, die ausgezeichnet wurden. Sie richtet sich gegen den Grundsatz, dass politische Eingriffe die Arbeit einer unabhängigen Fachjury korrigieren.

Der Deutsche Buchhandlungspreis lebt von seiner Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo fachliche Entscheidungen respektiert und transparent behandelt werden.