Mein Dezember, Teil 17

Essen? Essen!

Bei der Auswahl nach dem richtigen und passenden Weihnachtsessen sind demokratische Strukturen in einem Haushalt oft hinderlich. Fondue, sagt die eine. Nein, danke, lieber Raclette, sagt die andere. Das Wort Spaghetti höre ich und zucke zusammen und eine Suppe vorneweg ist ja ok, aber doch bitte keine Käse-Lauch-Suppe. Lamm ist wirklich was Feines, ertönt es, um gleich mit einem ‚Ich mag kein Lamm‘ niedergemetzelt zu werden. Eine ganze Gans ist deutlich zu viel und überhaupt, da jeder vermutet, dass ich kochen werde, ist ein solcher Vogel auch deutlich zu riskant in der Zubereitung. Nur in einem sind sich alle einig: Bloß keine Ente!

Auch wenn ich etwas beleidigt bin – schließlich habe ich mich die letzten zwei Jahre an einer Ente versucht – sehe ich doch ein, ein weiteres Mal besser darauf zu verzichten. Vor zwei Jahren konnte ich alles auf den alten defekten Ofen schieben. Schon der permanente Blick der alten Tante damals hinter die Glasscheibe in die Backröhre, ließ keine Zweifel in ihr Urteilsvermögen. „Das wird nichts!“ stammelte sie immer wieder und schüttelte langsam und bedächtig ihr weises Haupt. „Das kann nichts werden!“ Immerhin versuchte sie die Situation mit Ratschlägen wie „Du musst sie begießen, aber verbrenn dir nicht die Finger“ zu retten. Es half aber nichts. Das Weihnachtsmenü des Jahres 2010 ging als Gummi an Kartoffelklößen mit Rotkohl in die Geschichte ein.
Auch im letzten Jahr hatten wir Pech. Der Ofen war wohl neu, weshalb ich einen weiteren Enten-Versuch starten wollte. Als ich aber an Heiligabend bei dem Metzger meines Vertrauens nach einer Ente frage, brach nicht nur die Beleg- sondern auch die gesamte Kundschaft in schallendes Gelächter aus. Ich würde ja reichlich früh kommen, spöttelte die Besitzerin. „Und nu?“ hatte ich sie gefragt. „Na ja, “ antwortete sie. „Da müssen sie wohl anderes ‚Spezialitäten-Gedöns (O-Ton) nehmen.“ Dann packte sie mir die Taschen voll mit dem Rest Entenbrüsten und –keulen die noch in der Auslage lagen. Ich hatte aber leider nur ein Rezept für eine ganze Ente und so gab es erneut Gummi an Kartoffelklößen mit Rotkohl.

In diesem Jahr werde ich mich durchsetzen. In diesem Jahr bereite ich ein traditionelles Essen vor, bei dem nichts schief gehen kann: es gibt Kartoffelsalat mit Würstchen. Da kann ich nichts falsch machen, jeder wird satt und mindesten die wunderschönen Kreaturen auf dem Foto werden es mir danken.
ts