Tannenbaum I
Mein Tannenbaum misst fünfzehn Zentimeter. Vom ersten Advent bis zu den Heiligen Drei Königen steht er bei uns auf dem Küchentisch. Ich erfreue mich jeden Tag aufs Neue. Dabei ist der kleine Baum sehr unscheinbar.
Tannenbaum I
Mein Tannenbaum misst fünfzehn Zentimeter. Vom ersten Advent bis zu den Heiligen Drei Königen steht er bei uns auf dem Küchentisch. Ich erfreue mich jeden Tag aufs Neue. Dabei ist der kleine Baum sehr unscheinbar.
Essen? Essen!
Bei der Auswahl nach dem richtigen und passenden Weihnachtsessen sind demokratische Strukturen in einem Haushalt oft hinderlich. Fondue, sagt die eine. Nein, danke, lieber Raclette, sagt die andere. Das Wort Spaghetti höre ich und zucke zusammen und eine Suppe vorneweg ist ja ok, aber doch bitte keine Käse-Lauch-Suppe. Lamm ist wirklich was Feines, ertönt es, um gleich mit einem ‚Ich mag kein Lamm‘ niedergemetzelt zu werden. Eine ganze Gans ist deutlich zu viel und überhaupt, da jeder vermutet, dass ich kochen werde, ist ein solcher Vogel auch deutlich zu riskant in der Zubereitung. Nur in einem sind sich alle einig: Bloß keine Ente!
In der Weihnachtsbäckerei
Als Dennis vor ein paar Tagen über seine beiden Omas schrieb, stimmte mich das richtig traurig. Ebenso wie er bin ich ein Oma-Kind und jedes Jahr zur Weihnachtszeit stellte sich mir die gleiche Frage: Was schenkt man einer alten Dame, die wirklich alles hat und von sich selbst sagt, dass sie glücklich und zufrieden ist, solange ihr das Essen schmeckt?
Gabriele
Meine erste Schreibmaschine bekam ich geschenkt als ich vierzehn Jahre alt war. Weihnachten 1974 befand sich in einem festlich verpackten Karton eine Gabriele Reiseschreibmaschine der Firma Triumph-Adler. Gleichzeitig bekam ich ein Wikingerschiff als Modellbausatz geschenkt. Das weiß ich aber nur noch, weil ich aus lauter Not und mit großem Eifer die achtseitige Bastelanleitung abgeschrieben habe. Mit meiner Gabriele, versteht sich.
Weihnachtspost
Über Weihnachtspost freue ich mich wie ein kleiner Junge. Wunderschön finde ich die Idee, zum Jahresausklang ein frohes oder fröhliches, ein friedliches oder besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen, normalerweise verbunden mit einem guten Rutsch ins Neue Jahr. Wenn dann auch noch eine hübsche Karte gefunden wurde, die sogar eine kleine Spur kitschig sein darf, und der Absender auch noch eigenhändig unterschrieben hat, besteht die Chance, dass der Gruß in einer großen Weihnachtskartensammelkiste jahrelang überlebt.
Jesus auf dem Schrottplatz
Zu Weihnachten schenkte meine Oma mir regelmäßig einen kleinen Christophorus-Anhänger. „Damit er dich beschützt!“, sagte sie und befestigte ihn jedes Jahr liebevoll an meinem rechten Hosenträger. Sobald draußen die Luft so warm war, dass ich meine Lederhose anziehen konnte, kam er an eine Gürtelschlaufe. Und so war Christophorus, der den kleinen Jesus durch einen Fluss trug mein permanenter Begleiter und Beschützer. Und? Ich hatte Glück in meinen jungen Jahren. Nie kam ich unters Auto, kein Blitz traf mich und als ich einmal im Herbst beim Versuch Kastanien aus ihrem Baum zu schütteln buchstäblich abschmierte, trug ich wohl einige Schrammen davon, aber – immerhin – es war nichts gebrochen.
Dankeschön I
Heute endlich ist unsere Weihnachtsgeschichte angekommen. Für all die, die unser alljährliches Ritual nicht kennen: jedes Jahr suchen wir eine kleine Geschichte passend zur Jahreszeit, lassen sie von Dirk, unserem grandiosen Graphiker illustrieren, schicken sie in die Druckerei und bekommen einige Tage später 2500 Büchlein geliefert, die wir in der Adventszeit gerne an unsere Freunde und die Kunden von Schmitz und Schmitz Junior verschenken. Ob es in diesem Jahr der Kilifü war, warum das Heft so spät fertig wurde – wir möchten es gar nicht wirklich wissen. Wichtig ist nur, dass unsere Weihnachtsgeschichte heute angekommen ist. Ein kleiner Perspektivenwechsel des Chrismon-Chefredakteurs Arndt Brummer mit dem swingenden Titel „You’ll Never Walk Alone“.
Winter I
War das nicht ein schöner Wintertag? Vergeben und vergessen, dass am Morgen die Heizung ausgefallen war. Die gefrorenen Finger wärmte ein Tee, den uns die Kollegin gleich literweise kochte, die milchig-matte Sonne tauchte die Grafenstraße in wunderbar mildes Licht und entschädigte fürs Bibbern. So kann es noch lange bleiben.
Die Erinnerung tut heute noch weh.
Ich hatte immer eine schöne und intensive Beziehung zu meinen Großmüttern. Beide hatten ihre Eigenheiten, waren auf ihre eigene Art speziell, wie Omas nun einmal sind.
Fresko
Die große Leidenschaft des Kinderbuchillustrators Stepan Zavrel war die Freskenmalerei. Auf großen Flächen in nassen Putz seine Welt hinein malen, das war sein Leben. Die Geschichten um den Exiltschechen, der in Venetien eine neue Heimat gefunden hatte, sind aberwitzig.
Einmal soll ein reicher Bauer aus Vittorio zu ihm gekommen sein und winkte mit einem großen Auftrag. Die Giebelwand seines großen Hauptgebäudes sei fensterlos und weiß. Was es denn kosten würde, wenn Stepane ein Fresko schaffen würde – die Weihnachtsgeschichte wäre doch perfekt für einen guten Katholiken. Man leerte eine erste Flasche Wein und Stepan Zavrel diktierte seine Bedingungen.